Francesco Borromini und der Atlas Stosch

 

Die "Gründerfigur" der Architektursammlung ist Philipp Freiherr von Stosch (1691-1757), dem

wir einen bedeutenden Bestand von rund 2.000 italienischen Architekturblättern des 16., 17. und frühen 18. Jahrhunderts verdanken.
Baron Stosch war einer der angesehensten Antikenkenner Roms, zugleich belesener Polyhistor und kauflustiger Amateur sowie Zwischenhändler von skulpturalen Fundstücken, Medaillen,

Gemmen, Kupferstichen und Zeichnungen. Ein wahrhafter "Glückstreffer" war die Erwerbung des Nachlasses Francesco Borrominis, des Hauptmeisters der römischen Seicentoarchitektur. Baron Stosch legte darüber hinaus einen Bildatlas an, der in einer Art Generalaufnahme Frontalansichten der Fassaden aller namhaften römischen Bauwerke vereinigte.


Nach seinem Tod gelangte die gesamte Sammlung Stosch 1769 in Hamburg zur Versteigerung, wobei die 324 Klebebände des "Atlas Stosch" dank der Initiative des Bibliothekspräfekten

Gerhard van Swieten an die k. k. Hofbibliothek in Wien gingen. Die Klebebände blieben bis 1841 in ihrer ursprünglichen Form erhalten, wurden dann aber aufgelöst und der Vue-Sammlung des Kupferstichkabinetts eingegliedert.

Als man 1905 eine eigene geografische Abteilung einrichtete, wurde der Bestand endgültig zer-

rissen. In die Kartensammlung gelangten über 3.800 Landkarten und Stadtansichten.

Der Kunsthistoriker Hermann Egger begann zu dieser Zeit, die architektonischen Handzeichnungen zu ordnen und wissenschaftlich zu bearbeiten. Nach Schaffung der Grafischen Sammlung Albertina 1919 wurden die Bestände nochmals mit Blättern anderer Provenienzen vermengt.

 

 

BILDERGALERIE

 

Anonymus A
Rom, Kolosseum, Grundriß des Erdgeschosses, 16.Jh.

Francesco Borromini
Rom, S.Ivo alla Sapienza, Kuppel und Laterne

Carlo Rainaldi

Entwurf für Glockentürme und Fassadenumgestaltung von
St. Peter in Rom, Orthogonalansicht

Giulio Romano
Die Porta del Tè in Mantua