Architektennachlässe des 20. Jahrhunderts 

 

Die Nachlässe österreichischer Architekten des 20. Jahrhunderts gelangten in der Regel durch Initiative der Erben des jeweiligen Architekten und/oder der Mitarbeiter der Albertina in die Architektursammlung. Die auf diese Art und Weise in den vergangenen Jahrzehnten zustande gekommenen Bestände sind aber genau genommen nicht nur künstlerische "Nachlässe" von Architekten, sondern oft Sammlungen von Plänen, Skizzen, Fotos, Skizzenbüchern und Briefen, die erst nach dem Tod ihrer Schöpfer zusammengetragen wurden, weshalb sie von der Albertina gerne als "Archiv" bezeichnet werden.

 
In der Architektursammlung werden Archive von Absolventen der beiden bedeutenden traditionellen Wiener Architekturschulen, Akademie der bildenden Künste und Technische Universität, aufbewahrt. Josef Frank, Clemens Holzmeister, Heinrich Kulka und Helmut Wagner-Freynsheim erhielten ihre Ausbildung bei Carl König an der Technischen Universität (damals Technische Hochschule), Leopold Bauer, Hubert Gessner und Hans Kestranek hingegen studierten bei Königs Antipoden Otto Wagner an der Akademie. Ergänzend dazu wurde das aus verschiedenen Quellen stammende Plan- und Zeichnungsmaterial von Carl von Hasenauer, Vorgänger von Otto Wagner an der Akademie,  zu einem Archiv zusammengefasst.

 
Mit den Beständen von Lois Welzenbacher, der an der Technischen Hochschule in München studierte, und Adolf Loos, der in Dresden und Amerika ausgebildet wurde, sind weitere Architekturschulen vertreten.

 
Die Architektursammlung der Albertina ist aufgrund dieser Architektenarchive in der Lage, die gesamte Bandbreite der Baukunst des 20. Jahrhunderts, von traditionellen Bauten (z. B. durch Leopold Bauer) bis hin zum radikalen Funktionalismus (z. B. durch Helmut Wagner-Freynsheim), darzustellen.

 
Weitere Bestände von Architekturzeichnungen aus dieser Epoche sind u. a. der Nachlass des in den 50er und 60er Jahren für afghanische Regierungsbauten tätigen Peter Behrens-Schülers Adolf Kautzki, der Nachlass des Friedrich Ohmann-Schülers Ernst Kirsch und einige Blätter von Friedrich Ohmann.

 
Bislang konnten vier große Archive online gestellt werden, mit denen die Einsicht in einen repräsentativen Querschnitt dieses Teiles der Architektursammlung möglich ist:
Das Carl Hasenauer-Archiv bildet den größten und wichtigsten Teil des Gesamtnachlasses dieses bedeutenden Ringstraßen-Architekten, der gemeinsam mit Gottfried Semper u. a. das Natur- und das Kunsthistorische Museum und das Wiener Burgtheater plante und ausführte. Der Nachlassteil setzt sich aus Plänen der Architektursammlung und dem eigentlichen Carl Hasenauer-Archiv zusammen, das aus Altbeständen des Hauses besteht sowie aus aufschlussreichen Neuzugängen, die am Dachboden des Wiener Burgtheaters gelagert waren.

 
Das Clemens Holzmeister-Archiv stellt einen künstlerischen Teilnachlass des Architekten dar. Das in einem langen Leben entstandene umfangreiche Schaffen Holzmeisters ist in seinem topographisch-alphabetisch geordneten Archiv in der Albertina mit rund 5.000 Objekten von zumeist großformatigen Skizzen und Zeichnungen (überwiegend Kohle, Kreide oder Bleistift auf Transparentpapier) ausführlich dokumentiert.

 
Nach dem Tod Josef Franks 1967 in Stockholm wurde sein zeichnerischer und schriftlicher Nachlass auf mehrere Sammlungen aufgeteilt. Ein Großteil der späten Entwürfe kam über Vermittlung von Architekt Hermann Czech Anfang der siebziger Jahre durch Dagmar Grill, mit der Frank sein letztes Lebensjahrzehnt zusammen in Stockholm verbracht hatte, in die Albertina. Einen besonders attraktiven Teil des Archivs stellen die großen, auf Kartons kaschierten Aquarelle des Architekten dar.

 
Im Jahr 1961 schenkte die Witwe des Architekten, Grete Welzenbacher, der Albertina Zeichnungen und Skizzen ihres 1955 verstorbenen Mannes. Damals hatte sich auch die Technische Universität München für den Nachlass interessiert, doch da die Witwe den zeichnerischen Aspekt der Blätter betont wissen wollte, entschied sie sich schließlich für die Albertina als dauerhaften Aufbewahrungsort.

 

 

BILDERGALERIE

 

Leopold Bauer
Entwurf für ein Vaterländisches Haus, um 1933

Josef Frank
Wohnhochhaus, Perspektive und Grundriss

Josef Frank
Unbestimmt, Einfamilienhaus, Perspektive (nach 1940)

Hubert Gessner

Fassadenentwurf für die Brotfabrik in Mährisch-Ostrau, 1921

 

(Freiherr) Carl von Hasenauer
Pantherkopfdekoration, Aufriß und Schnitt

Clemens Holzmeister
Ankara, Regierungsviertel; Studie; Zollministerium, Torbau, Durchblick, perspektivische Ansicht, 1934

Clemens Holzmeister
Sexten-Moos, Hotel "Drei Zinnen" (Tre Cime); Talseite,
perspektivische Ansicht, 1926

Oskar Laske
Entwurf für ein Familien-Wohnhaus, Ansicht der Straßenfassade, Fassadenschnitt, ca. 1895

 

Adolf Loos
The Chicago Tribune Column, Chicago, Michigan Avenue/Austin
Avenue/St. Clair Street, Fassade mit Steinschnitt, gez. Bittner, 1922

Adolf Loos
The Chicago Tribune Column, Chicago, Michigan Avenue/Austin
Avenue/St. Clair Street, Perspektive, 1922

Lois Welzenbacher
Wien, Bebauung Donaukanal, Detailstudie, Vogelschau, 1946