11. April 2008 - 13. Juli 2008
Oskar Kokoschka
Im Garten, 1934

© Fondation Oskar Kokoschka / VBK, Wien 2009 / Albertina, Wien - Dauerleihgabe der Sammlung Batliner
Eine Ausstellung von Oskar Kokoschkas Schaffen von 1934 bis zu seinem Tod 1980 und eine damit verbundene Neupositionierung
seines Spätwerks waren seit Langem erforderlich.
Am Beginn der Ausstellung stehen die ab den 1930er Jahren entstandenen Prager Stadtansichten und Figurengemälde des damals
50-jährigen Künstlers.
Gezeigt werden auch die politischen Parabeln der Exilzeit in London (1938-1953) und die farbenprächtigen Gemälde, Aquarelle,
Zeichnungen und Druckgrafiken, die ab 1953 vorwiegend in Kokoschkas neu gewählter Heimat, der Schweiz, sowie auf zahlreichen
Reisen entstanden. Erstmals wird auch eine Auswahl der kostbaren Buntstiftzeichnungen aus den Skizzenbüchern, die Kokoschka
ab 1941 stets mit sich führte, der Öffentlichkeit präsentiert.
Die letzten Bilder des 80-Jährigen thematisieren Fragen um Leben und Tod und bilden einen bewegenden Schlusspunkt im Schaffen
dieses österreichischen Künstlers von internationalem Rang.
Die Schau zeigt 40 Gemälde und ca. 160 Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken.
Mehr als die Hälfte der ausgestellten Objekte stammt aus den Beständen der Albertina, die mit über 1.200 Werken eine der größten
Kokoschka-Sammlungen weltweit beherbergt.
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Bildergalerie
Oskar Kokoschka
Im Garten, 1934
Oskar Kokoschka
London, Tower Bridge II, 1963
Oskar Kokoschka
Prag, Karlsbrücke, 1934
Oskar Kokoschka
Selbstbildnis, 1964
Oskar Kokoschka
Sturmflut in Hamburg, 1962
Oskar Kokoschka
Nymphe, 1936
Oskar Kokoschka
Helft den baskischen Kindern!, 1937
Oskar Kokoschka
Das rote Ei, 1940/1941
Oskar Kokoschka
Hummer auf einem Teller, 1945
Oskar Kokoschka
Kürbis, 1945
Oskar Kokoschka
Florenz, Ausblick vom Mannelli-Turm, 1948
Oskar Kokoschka
"Erwachender Sklave" von Michelangelo; Accademia, Florenz, 1954
Oskar Kokoschka
Time, Gentlemen please, 1970/1972
Oskar Kokoschka
Ecce Homines, Karton für das gleichnamige Mosaik in der Nikolaikirche Hamburg, 1972
Oskar Kokoschka
Tigerkatze, 1969
Selbstbewusst und frei vom Einfluss zeitgenössischer Tendenzen entwickelte der Kosmopolit Oskar Kokoschka ab den 1930er-Jahren
(der Künstler war damals 50 Jahre alt) seine völlig eigenständige Bildsprache. Kokoschkas Umgang mit Farben und Themen ist
nun ganz souverän, das verfeinerte Kolorit bewirkt die differenzierten Atmosphären seiner Bildräume.
Gehen in den früheren Jahren Kokoschkas Werke stark von persönlichen Erlebnissen aus, so richtet er ab dem Prager Exil 1934
seinen Blick immer stärker nach außen. Die Ausstellung folgt dem unsteten Leben des Künstlers, das einer Odyssee im kriegszerrütteten
Europa des
20. Jahrhunderts gleicht. In den Jahren von 1933 bis 1938 ist Kokoschka gemeinsam mit seinen "avantgardistischen", dadaistischen
und expressionistischen Künstlerkollegen als "entarteter" Künstler in fast allen "Schandausstellungen" mit unterschiedlichen
Werken vertreten.
Nach seiner Flucht nach England 1938 entsteht eine Reihe beeindruckender Gemälde zu aktuellen Kriegsereignissen. Als Maler
antwortet Kokoschka mit bitteren Parabeln auf das grausame Zeitgeschehen. Spätestens seit damals ist seine politische Haltung
selbstverständlicher Teil seines Lebens und Schaffens, wovon zahlreiche prägnante Werke Zeugnis ablegen
(z. B. "Die Frösche", 1968).
Gleichsam als Porträts schildern Kokoschkas Stadtlandschaften die unterschiedlichen Temperamente, Atmosphären und Charaktere
von Prag, London, Florenz, Rom, Salzburg, Berlin und Freiburg. Begleitet werden die Gemälde von den tagebuchähnlichen Skizzenbüchern,
die er stets bei sich trug.
Figurengruppen und Allegorien, die ein Miteinander und inniges, auch schicksalhaftes Verbundensein (Amor und Psyche,
1950−1955) zum Ausdruck bringen, sind ein weiteres wichtiges Thema. Und in Erinnerung an sein Beziehungsdrama mit Alma
Mahler wirft Kokoschka einen humorvollen Blick auf sich als "Verschmähten Liebhaber" (1966).
Kokoschka definiert sich selbstbewusst als Repräsentant eines europäischen Erbes und setzt sich in Gemälden, Zeichnungen,
Grafiken und Mappenwerken mit Themen der Weltliteratur ("Odyssee", 1964-1966) und dem Theater (Raimund-Zyklus, 1959/60) auseinander.
Auch die Musik, die in seinem Leben eine wesentliche Rolle spielt, wird in pastose, filigran-flirrende Farbatmosphären transformiert
("Morgen und Abend", 1966-1976) und schwingt in den Porträtzeichnungen der Geige spielenden "Jenny Abel" (1973) mit.
Die letzten Bilder des 80-Jährigen thematisieren Fragen um Leben und Tod, wie etwa die Gemälde "Time, Gentlemen please" (1971/72)
und "Ecce Homines" (1972). Sie bilden einen bewegenden Schlusspunkt im Schaffen dieses österreichischen Künstlers von internationalem
Rang.