In der Ausstellung "Jakob und Rudolf von Alt. Im Auftrag des Kaisers präsentiert die Albertina 120 Meisterwerke aus der Blütezeit der österreichischen Aquarellmalerei. Im Auftrag von Kaiser Ferdinand I. entstanden zwischen 1830 und 1849 annähernd 300 Stadt- und Landschaftsansichten, die die Schönheiten des Österreichischen Kaiserreiches und der angrenzenden Länder dokumentieren sollten. Die Werke stammen von der Hand der besten Aquarellisten der Zeit: Jakob und Rudolf von Alt, Eduard Gurk und Leander Russ. Mit dieser Ausstellung werden die großformatigen und bildhaften Aquarelle, von denen über 170 von Jakob und Rudolf von Alt stammen, erstmals umfassend präsentiert.
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Die Ausstellung
Den künstlerischen Ausgangspunkt der Guckkastenserie bilden die Wiener Vedute um 1800 und ihre Entwicklung zu Stadtbild und
Landschaft. Der erste Raum ist diesem Kapitel gewidmet. Danach folgen die ersten Werke der Guckkastenserie, die Wien und Orte
der nächsten Umgebung sowie frühe Ansichten aus Österreich zeigen. Sie stammen von Jakob und Rudolf von Alt und sind Beispiele
für die "Teamarbeit der beiden Künstler, die sich durch die gesamte Guckkastenserie zieht. Alle Blätter sind von Jakob
als Auftragnehmer des Hofes signiert. Tatsache ist jedoch, dass von den rund 170 Werken der Alts 46 Rudolf geschaffen hat.
Dies wurde 1892 in einem Protokoll festgehalten.
Der nächste Raum ist zwei Werkgruppen Eduard Gurks gewidmet: den dramatischen Schilderungen des Wiener Hochwassers von 1830
und den Darstellungen der Wallfahrt nach Mariazell. Es folgen Werke der Alts und Eduard Gurks mit Ansichten aus Böhmen und
Mähren.
Sodann begleiten wir Jakob und Rudolf von Alt auf ihren Reisen nach Italien, vom Norden über Venedig nach Rom und in die
Campagna, bis an die amalfitanische Küste. Ansichten von der dalmatinischen Küste setzen die Reihe der Guckkastenbilder fort.
Ihre Präsentation endet mit Darstellungen aus den nordöstlichen Kronländern und Ungarn, Arbeiten von Leander Russ sowie Landschaften
aus den Alpengegenden.
Den Abschluss bildet ein Ausblick auf das Spätwerk Rudolf von Alts, der unter den am Guckkastenprojekt beteiligten Künstlern
zweifellos die bedeutendsten Werke geschaffen hat.
Die Guckkastenserie
Von den über 300 großformatigen und bildhaft ausgeführten Aquarellen sind heute noch 281 nachweisbar. 170 stammen von Vater
Jakob und Sohn Rudolf. Die Albertina verwahrt 227 Werke. Weitere befinden sich im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek
(24) und auf Schloss Konopitě bei Prag (30).
Es gibt keine Entstehungsgeschichte zur Serie der Guckkastenblätter und keinerlei Aufzeichnungen über den Verwendungszweck
und die Absichten, die hinter dem Projekt standen. Die heute in der Literatur verwendete Bezeichnung Guckkastenblätter
entstand durch die Interpretation von Berichten des wichtigsten Biografen Rudolf von Alts, Ludwig Hevesi. Diesen zufolge soll
Kaiser Ferdinand I. für die Betrachtung der Aquarelle einen Kasten mit einem Hohlspiegel verwendet haben, an dessen Rückseite
die Blätter eingeschoben und von hinten beleuchtet wurden. Eine derartige Vorgehensweise kann man sich für die auf Schloss
Konopitě bei Prag verwahrten Werke der Serie gut vorstellen, denn sie weisen große Lichtschäden und starken Farbabrieb
auf. Die Blätter im Besitz der Albertina und der Nationalbibliothek zeichnen sich jedoch durch erstaunliche Farbfrische und
unversehrte Schönheit aus. Die Verwendung in einem Guckkasten, die ja immer vielfache Manipulation bedeutet, ist daher nicht
anzunehmen.
Hrsg.
Klaus Albrecht Schröder,
Maria Luise Sternath, Vorwort von Klaus Albrecht Schröder, Texte von Stefanie Chaloupek, Jörg Garms, Eva Michel, Patrick
Poch, Maria Luise Sternath und Werner Telesko
Wien: Albertina, 2010, ISBN 978-3-85033-438-9
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