Nach der großen Ausstellung Picasso. Malen gegen die Zeit (2007) wagt die Wiener Albertina im Herbst 2010 einen neuen Blick
auf den begnadeten Maler. Unter dem Titel Picasso: Frieden und Freiheit entstand in enger Zusammenarbeit mit Tate Liverpool
eine Schau, die sich mit der Darstellung von Krieg und Frieden in Picassos uvre während des Kalten Krieges beschäftigt.
Picasso war ab 1944 bis zu seinem Tod im Jahr 1973 engagiertes Mitglied der kommunistischen Partei. Sein Werk aus dieser Zeit
spiegelt sein tiefes politisches und soziales Interesse wider und ist wohl das letzte unerforschte Terrain bei der Auseinandersetzung
mit diesem Künstler.
Die Ausstellung beschäftigt sich mit Picasso als "Historienmaler" in der marxistischen Tradition und geht in historisch-chronologischer
Abfolge auf die zwischen 1944 und dem Tod des Künstlers entstandenen Historienbilder ein: das Leichenhaus, das Massaker in
Korea, Krieg und Frieden, den Raub der Sabinerinnen und eine Serie von Stillleben mit Tierschädeln und Totenköpfen. Ein weiteres
in diesem Zeitraum in Erscheinung tretendes ikonografisches Schlüsselmotiv ist die Friedenstaube, die während des Kalten Krieges
zu einem der wichtigsten Hoffnungssymbole wurde. Picassos Friedenstaube wurde zum Zeichen der Friedensbewegung, und er gestaltete
damit Plakate für die Friedenskonferenzen in Breslau, Paris, Stockholm, Sheffield und Rom. Mit zahlreichen Varianten dieses
Motivs unterstützte Picasso die kommunistische Partei in Frankreich und anderen Ländern sowie radikale Organisationen im Westen.
Die Zeichnungen, die er zu Stalins Geburtstag im Jahr 1949 und zum Tod des Sowjetführers im Jahr 1953 für die Kommunistische
Partei der Sowjetunion schuf, waren in ihrer Aussage kontrovers.
Diese Ausstellung wird von der Tate Liverpool in Kooperation mit der Albertina, Wien, organisiert.
Erweiterte Öffnungszeiten
Die Albertina erweitert für die großen Herbstausstellungen "Picasso: Frieden und Freiheit" sowie "Michelangelo. Zeichnungen eines Genies" ihre Öffnungszeiten. Die Ausstellungen können täglich von 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr, mittwochs von 10.00 - 21.00 Uhr besucht werden.
Hinweis für Gruppen - bitte beachten Sie:
Aufgrund von Leihvertragsbestimmungen ist das Führen von Gruppen in der Picasso-Ausstellung "Peace and Freedom" ausschließlich
durch bzw. in Begleitung von KunstvermittlerInnen der Albertina gestattet.
Bitte wenden Sie sich für die Buchung Ihrer Gruppenführung an die Abteilung Kunstvermittlung,
besucher@albertina.at
, T +43 (0)1 534 83-540.
Die Werke der betreffenden Periode - vor allem Krieg und Frieden - galten im Westen als Picassos am wenigsten erfolgreiche
Werke, wohingegen der Künstler im Osten auf Kritik stieß, weil er sich nicht auf einer Linie mit der Kommunistischen Partei
der Sowjetunion befand, was den Sozialistischen Realismus betraf. Zwischen diesen beiden Polen entwickelte Picasso seine eigene
künstlerisch-politische Haltung, die er selbst wie folgt beschrieb: "Ich habe nicht den Krieg gemalt, weil ich nicht zu den
Malern gehöre, die hinausgehen und etwas abbilden wie ein Fotograf. Aber ich habe keinen Zweifel daran, dass auf diesen Gemälden
Krieg herrscht..." Picasso machte mit seinen Arbeiten offen "Propaganda" für die kommunistische Sache und die Friedensbewegung
und protestierte damit gegen Krieg und Unterdrückung. Gleichzeitig enthielten Stillleben, die zahlreichen Interpretationen
von Themen aus der klassischen Mythologie (wie Raub der Sabinerinnen) und
Varianten von Meisterwerken der Kunstgeschichte (Velázquez Las Meninas und Manets Frühstück im Grünen) subtile und
versteckte Kommentare zum Weltgeschehen und Hinweise auf Picassos politische Einstellung.
Picassos Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei ab 1944 und der Niederschlag, den sein politisches Engagement in seinem
Werk fand, sind wohl das letzte unerforschte Terrain bei der Beschäftigung mit diesem Künstler. Die Ausstellung wird versuchen,
eine eingehende wissenschaftliche Analyse dieser Schaffenszeit unter Einbeziehung von Sichtweisen zu Picasso aus Nordamerika,
Westeuropa, Osteuropa und der Russischen Föderation vorzunehmen. Picasso: Frieden und Freiheit ist eine umfassende Schau mit
Meisterwerken zum Thema Krieg und Frieden ab den 1940-er Jahren, die durch tagespolitische Drucksorten und zeitaktuelles biografisches
Textmaterial wie Briefe, Archivdokumente, Publikationen und Zeitungen ergänzt wird.
Während die Ausstellung sich generell mit der globalen Rolle Picassos und seiner Kunst unter dem Gesichtspunkt seiner Unterstützung
der kommunistischen Partei und der Friedensbewegung auseinandersetzt, bietet sich der Besuch des Künstlers in Großbritannien
aus Anlass seiner Teilnahme am Friedenskongress in Sheffield 1950 als Schwerpunkt für die Präsentation in Liverpool an. Wien
ist als Stadt, die nach dem Zweiten Weltkrieg an der Schnittstelle zwischen Ost und West angesiedelt war, ein idealer Ausstellungsort.
Im Jahr 1952 war die Stadt außerdem Gastgeberin des Weltfriedenskongresses, auf dessen Veranstaltungsplakat Picassos Zeichnung
einer Taube in einem Kreis aus miteinander verbundenen Händen zu sehen war.
Die Ausstellung wird versuchen, eine eingehende wissenschaftliche Analyse dieser Schaffenszeit unter Einbeziehung von Sichtweisen
zu Picasso aus Nordamerika, Westeuropa, Osteuropa und der Russischen Föderation vorzunehmen. Tagespolitische Drucksorten und
zeitaktuelles biografisches Textmaterial wie Briefe, Archivdokumente, Publikationen und Zeitungen ergänzen die umfassende
Schau.
|
Mag. (FH) Heinz Holzinger |
T +43 (0)1 534 83-525 |
| Albertinaplatz 1 | F +43 (0)1 534 83-199 |
| 1010 Wien | tourismus@albertina.at |
| Anfahrtsbeschreibung |
Hrsg. Lynda Morris und
Christoph Grunenberg
Mit Beiträgen von
Piotr Bernatowicz,
Pierre Daix,
Vojtech Lahoda,
Manfred Mugrauer und
Annette Wieviorka
14,50