Die Albertina zeigt ab dem 18. Juni 2010 erstmalig
in Österreich das Werk des amerikanischen Künstlers Walton Ford (geb. 1960). Die Ausstellung versammelt 22 großformatige Arbeiten
des Künstlers aus den letzten 10 Jahren.
Ein wilder Truthahn, der einen kleinen Papagei mit seinen Klauen zerquetscht, eine Affenhorde, die einen sorgsam gedeckten
Tisch verwüstet oder ein Büffel, umgeben von einem Rudel blutver-schmierter Wölfe inmitten eines gepflegten französischen
Gartens. Ford malt mit der erprobten Technik eines naturwissenschaftlichen Zeichners. Seine Werke pulsieren von der Intensität
beklemmender Vertrautheit; sie sind zugleich beruhigend durch ihren Stil und verstörend durch ihren Inhalt. Mit Titeln wie
"An Encounter with Du Chaillu", "Borodino", "The Sensorium" oder "Royal Menagerie at the Tower of London" verwischen seine
Zeichnungen nicht nur die Trennlinie zwischen Mensch und Tier, sondern öffnen auch die Tür zu einer Welt aus Fantasien und
Träumereien.
Künstlergespräch mit Walton Ford
Mitschnitt vom Künstlergespräch am 16. Juni 2010
Mit Walton Ford sprach Michael Fleischhacker, Chefredakteur der Tageszeitung "Die Presse".
Das Gespräch wurde in englischer Sprache geführt.
Walton Fords stets lebensgroße, alle Einzelheiten abbildende Tieraquarelle erscheinen auf
den ersten Blick unzeitgeistig zu sein und hinterfragen daher sogleich die eingefahrenen Erwartungshaltungen gegenüber dem
Regelwerk zeitgenössischer Ästhetik. In ihrem altmeisterlichen Stil erinnern und zitieren Walton Fords farbenprächtige Bilder
die Natur-
und Tierdarstellungen berühmter Künstler des 19. Jahrhunderts. Sie erscheinen als Widerhall vergangener kolonialer Zeiten
und verknüpfen das vermeintlich Überwundene mit aktuellen Szenen. In seinen narrativen Arbeiten erweist sich Ford als ein
Künstler, der das Tradierte variiert, um ein bildnerisches Universum unendlich komplexer und verstörender Anspielungen zu
entwerfen. Seine Tierdarstellungen zeugen von großem kunst- und naturwissenschaftlichem Wissen auf der Suche nach Analogien
zwischen Gestern und Heute. Sie entwerfen ein zeitgenössisches "Bestiarium" von eindringlicher Imaginationskraft.
Schon früh faszinierten Walton Ford, der 1960 in Larchmont im Staat New York geboren wurde
und heute in den Bergen der Berkshires in Massachusetts lebt, die Ausstellungsstücke des Naturkunde-museums von New York.
Besonders intensiv setzte er sich mit Werken des US-amerikanischen Ornithologen und Tierzeichners John James Audubon (1785-1851)
auseinander. Auf der Suche nach Analogien zwischen Gestern und Heute entstehen seit den 90er Jahren Bilder, in denen Walton
Ford detailreiche Darstellungen von Naturgeschichte mit aktuellen Auffassungen und kritischen Kommentaren überblendet und
in altmeisterlicher Schrift Textquellen vergangener Jahrhunderte zitiert. Mit seinen Werken, die sich wie Satiren auf politische
Unterdrückung und die Ausbeutung der Umwelt lesen, hinterfragt er das seit der Renaissance vorherrschende Diktum des "Immer
Neuen", "Immer Besseren". Zugleich stellt er eingefahrene Erwartungshaltungen gegenüber dem Regelwerk zeitgenössischer Ästhetik
zur Diskussion. Farbenprächtig öffnen seine Bilder den Blick für eine Wirklichkeit, die wir verdrängt oder vergessen haben.
Mit seinem Werk, das als Solitär aus der Gegenwartskunst herausragt und in den USA bereits große Aufmerksamkeit auf sich
zog, zeigt sich der Künstler bewusst als ein Outsider im zeitgenössischen Kunstbetrieb.
|
Mag. (FH) Heinz Holzinger |
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| 1010 Wien | tourismus@albertina.at |
| Anfahrtsbeschreibung |
Hrsg. Bill Buford,
Walton Ford
Mehrsprachige Ausgabe:
Deutsch, Englisch,
Französisch
TASCHEN, 2009, 51,40