Ruth Baumgarte. Afrika

Ab 1. Dezember 2022

Die letzte Ausstellung des Jahres widmet die ALBERTINA der deutschen Malerin Ruth Baumgarte, die von 1923 bis 2013 lebte. Im Mittelpunkt der Schau in der Pfeilerhalle steht Baumgartes umfassendes Afrika-Werk, das in der Landschaftsmalerei eine nahezu magische Qualität entfaltet. Es umfasst insgesamt rund 70 Ölgemälde, Aquarelle und Graphiken.

Ab den 1950er-Jahren bis ins hohe Alter reiste die Künstlerin über vierzig Mal nach Afrika, wo sie die Menschen aufmerksam beobachtete. Sie interessierte sich für die fremden Kulturen eines damals für europäische Kunstschaffende noch unerschlossenen Kontinents. Zentral für das Verständnis von Ruth Baumgartes Kunst ist das Verhältnis von Mensch und Natur, die Verschmelzung von Figur und Landschaft. Auf Basis schneller Skizzen, die sie vor Ort anfertigte, schuf sie später – wieder zuhause in ihrem Atelier in Deutschland – farbintensive Gemälde, virtuose Aquarelle, ausdrucksstarke Gouachen und Zeichnungen.

Ein Künstlerinnenleben lang machte es sich Ruth Baumgarte zur Aufgabe, die eigene Wahrnehmung zu erforschen und stellte den kolonialen Blick nach der Aneignung des Anderen in Frage. Stets näherte sie sich einer unbekannten Kultur sensibel an, um sie intuitiv zu verstehen. Nicht nur kognitiv rational, sondern mit den Mitteln der Kunst, Pinsel und Farbe wurden zu ihren Verbündeten in der Erkundung von anderen Lebensanschauungen und prekären Lebensbedingungen.

Ruth Baumgarte hat ihre Afrikabilder zu einem Zeitpunkt hergestellt, als Fragen nach künstlerischer Appropriation und kultureller Enteignung noch längst nicht so breit diskutiert wurden wie heute im Zeitalter postkolonialer Diskurse. Trotzdem erkannte sie intuitiv, dass politische Asymmetrien, die sich als Culture Clash manifestieren, nicht in oberflächlicher Harmonie aufgelöst werden können, sondern in spannungsgeladenen Farbkompositionen gestalterisch problematisiert werden müssen.

Ruth Baumgarte strebte weder eine Exotisierung des Anderen an, noch bediente sie sich einer Rhetorik der Überlegenheit, mit der ehemalige Kolonialmächte gerne die alten Herrschafts- und Dominanzverhältnisse zu perpetuieren trachteten. Stattdessen steht sie für eine transgressive Kunst, die Spannungsverhältnisse etwa zwischen Urbanität und Wildnis, zwischen dem Einzelnen und dem Kollektiv, zwischen alltäglicher Banalität und magisch-surrealen Gegenwelten ästhetisch zu transzendieren imstande ist. Wobei besonders die Darstellung der afrikanischen Frau in ihrem Lebensumfeld breiten Raum einnimmt.

Durch einen fließenden Austausch von impressionistischen und expressionistischen Gesten wird die Vermischung der Kulturen, die Amalgamierung des Anderen mit dem Eigenen anschaulich gemacht.

In die monografische Präsentation der Künstlerin werden schlaglichtartig Werke des südafrikanischen Künstlers Athi-Patra Ruga eingeflochten, der den diesjährigen Preis der Ruth Baumgarte Stiftung erhält.
Ruga, der 1984 in Umtata geboren wurde und zwischen Johannesburg und Kapstadt lebt, verfolgt in seinem multimedialen Werk eine Hybridisierung von Formen und Inhalten. Seine visuelle Bildsprache zwischen Utopie und Realität löst geografische Grenzen, geschlechtliche Zuschreibungen und soziale Konstruktionen der afrikanischen Geschichte sowie eines dogmatisch eingesetzten, postkolonialen Wissens spielerisch auf. Die Verschmelzung von unterschiedlichen kulturellen Einflüssen macht er zum Konzept einer Kunst, die sich zahlreicher Referenzen ungehemmt bedient und keine Scheu vor Aneignung aufweist.

Der künstlerische Dialog mit ausgewählten Werken, Tapisserien, Arbeiten auf Papier und Glasarbeiten, von Athi-Patra Ruga verankert Ruth Baumgartes Oeuvre in der Gegenwart und zeugt von der Aktualität ihrer Kunst. Die erstaunlichen Analogien der Arbeiten der beiden Kunstschaffenden attestieren ein kulturübergreifendes Verständnis und bilden eine Brücke über tiefe Gräben.

Kuratiert von Udo Kittelmann und Angela Stief

Die Ausstellung ist von 1. Dezember 2022 bis 5. März 2023 zu sehen.

Bildergalerie – 3 Bilder

 

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