Geschichte

Die Fotosammlung der ALBERTINA ist heute die bedeutendste und größte Sammlung künstlerischer Fotografie Österreichs. Rund 100 000 fotohistorische Schätze zeichnen die bedeutendsten fotografischen Entwicklungen nach und führen in verschiedene Genres wie Porträt-, Architektur-, Landschaftsfotografie und Street Photography von den Anfängen des Mediums bis hin zur Gegenwart ein.

Fotografien in der Albertina seit den 1850er Jahren
Gustav Jägermayer | Welitz-Gletscher aus OzN. vom Fuss des Umbal (1863) | © Albertina, Wien
Gustav Jägermayer | Welitz-Gletscher aus OzN. vom Fuss des Umbal (1863) | © Albertina, Wien

Fotografien bildeten einen integralen Bestandteil der thematischen Spezialsammlungen des Hauses und lieferten in der Nachfolge von Einblattholzschnitten oder Reproduktionsstichen, von geätzten Veduten oder lithografierten Porträts die aktuellsten visuellen Informationen aus der ganzen Monarchie. Gustav Jägermayers monumentale Serie über die Ostalpen mit dem Zentrum Großglockner (1863) fand hier ebenso Eingang wie das umfängliche Album des Fotografen Schoon über die Lemberg-Czernowitzer Eisenbahn (um 1868).

Noch repräsentativer in Format und Ausführung ist die von der k. k. Hof- und Staatsdruckerei gelieferte Dokumentation der alten Wiener Stadtmauern und ihres Abbruchs aus den Jahren 1858 bis 1860 - ganz im Gegensatz dazu lieferte die Firma R. Lechner (Wilh. Müller) als quasi erste Wiener Fotoagentur wöchentlich kleine Aufnahmen aller aktuellen Ereignisse wie Eröffnungsfeiern, Jubiläen und Katastrophen.

Die Sammlungen der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt
Josef Maria Eder | Zwei Goldfische und ein Seefisch (Christiceps argentatus), 1896 | © Albertina, Wien - Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt
Josef Maria Eder | Zwei Goldfische und ein Seefisch (Christiceps argentatus), 1896 | © Albertina, Wien - Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt

Im Jahr 2000 kam die Sammlung der weltweit ersten auf Fotografie und Reproduktionstechniken spezialisierten Schule als Dauerleihgabe an die ALBERTINA. Sie umfasst rund 70.000 Bilder, 15.000 Bücher, zahlreiche Kameras und anderes fotografisches Zubehör.

1888 vom Fotochemiker, -historiker und Pädagogen Josef Maria Eder gegründet, verfügte die Schule vor allem über eine Vorbildersammlung zur Ausbildung von Fotografen mit außer-gewöhnlichen frühen Belegen der Technik (etwa ein Exemplar des ersten Buchs mit Fotografien, dem "Pencil of Nature", von William Henry Fox Talbot oder zahlreiche Daguerreotypien). Des Weiteren sind auch zahlreiche Beispiele aus den Versuchslabors der "Graphischen" erhalten, die von den ersten Röntgenaufnahmen Österreichs über Kurzzeit- und Mikroaufnahmen bis zur fotochemischen Spur elektrischer Entladungen reichen.

Ab 1909 war die "Graphische" darüber hinaus ein Zentrum der piktorialistischen Fotografie und bildete einige ihrer wichtigsten österreichischen Exponenten aus, etwa Rudolf Koppitz, Antios (Anton Josef Třcka), Karel Novák oder Trude Fleischmann, von denen die Sammlung über reiche Bestände verfügt.

Das Langewiesche-Archiv
Dora Kallmus | Anna Pawlowa, 1913 | © Albertina, Wien - Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung
Dora Kallmus | Anna Pawlowa, 1913 | © Albertina, Wien - Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung

Einen weiteren Schwerpunkt bildet das als Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft übernommene Archiv des deutschen Verlags Karl Robert Langewiesche. Der heute noch existierende Verlag setzte mit seinen Fotobildband-Reihen ("Die Blauen Bücher" und "Der Eiserne Hammer") neue buchpublizistische Maßstäbe. Das Schwergewicht lag neben Kunstreproduktionen auf Landschafts- und Architekturfotografie der 1920er- bis 1940er-Jahre. In der Hauptsache wird der Entwurf einer zum Teil deutschnationalen imaginären Geografie Deutschlands sichtbar.

Der zirka 13.000 Fotografien umfassende Bestand reicht bis ans Ende der 1950er-Jahre und beinhaltet auch unpublizierte Bücher wie beispielsweise eine Industriedokumentation aus dem Ruhrgebiet von Ruth Hallensleben. Darüber hinaus offenbart das Archiv auch einen Blick in die verlegerische Arbeit mit Bildern. Die Fotografien dienten als Druckvorlagen und sind dementsprechend mit ausführlichen Retusche-Anweisungen versehen. Unter den Lichtbildern befinden sich Arbeiten etwa der Neuen Sachlichkeit von Albert Renger-Patzsch, Paul Wolff und Lucia Moholy.

Aktuelle Sammlungspolitik
Lisette Mode | Sängerin im Café Metropole, ca. 1946 | Albertina, Wien © Estate of Lisette Model
Lisette Mode | Sängerin im Café Metropole, ca. 1946 | Albertina, Wien © Estate of Lisette Model

Die ALBERTINA betreibt heute dank eines privaten Mäzens eine aktive Ankaufspolitik; so konnte etwa die älteste Daguerreotypie Österreichs (Juni 1840) - sie zeigt die Wiener Hofreitschule und das alte Burgtheater - erstanden werden. Die Bestände werden in viele Richtungen hin erweitert - von den Anfängen des Mediums bis zur Gegenwart. 

Neben der Vertiefung des Vorhandenen liegt ein Fokus auf der Streetlife- und dokumentarischen Fotografie des 20. Jahrhunderts, etwa Henri Cartier-Bresson, Lisette Model, William Eggleston, William Klein, Robert Frank, Stephen Shore oder Jakob Tuggener.