Geschichte

Ein wahres Panorama der Kunst bietet die grafische Sammlung der ALBERTINA: 1776 von Herzog Albert von Sachsen-Teschen begründet, umfasst sie heute über eine Million Zeichnungen und Druckgrafiken von der Spätgotik bis zur Gegenwart.
Von Michelangelo und Dürer bis zu Rembrandt und Rubens, von Klimt und Schiele über Picasso bis Richter und Lassnig – die Sammlung der ALBERTINA gibt einen reichen Überblick über 600 Jahre Kunstgeschichte.

Der Sammlungsbegründer: Herzog Albert von Sachsen-
Teschen
Friedrich Heinrich Füger | Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen
Friedrich Heinrich Füger | Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen

Herzog Albert von Sachsen-Teschen (1738-1822) begann 1770 mit dem systematischen Sammeln grafischer Blätter und Zeichnungen. Bewusst enzyklopädisch und bildungsorientiert ausgerichtet, entsprach die Sammlung ganz der aufgeklärten Geisteshaltung dieser Zeit.

1822, als Herzog Albert starb, umfasste sie rund 14.000 Zeichnungen und 200.000 druckgrafische Blätter, die in erstrangiger Qualität und universeller Zusammensetzung alle wichtigen europäischen Kunstströmungen vom ausgehenden Mittelalter bis ins erste Viertel des 19. Jahrhundert repräsentieren.
Diese Kernbestände, die Herzog Albert als lehrreiche Zusammenschau über die Kunstentwicklung ab dem Spätmittelalter angelegt hat, bilden die Basis der heutigen ALBERTINA. In ihrer fundamentalen Sammlungsstruktur unverändert, wurden die Bestände in der Folgezeit kontinuierlich erweitert und ergänzt. Hinzu kamen vorwiegend Werke der jeweils zeitgenössischen Kunstströmungen - eine Ausrichtung, die bis heute anhält.

Die Weiterentwicklung der herzoglichen Sammlung 1822 bis 1918
Georg Decker (nach Anton Einsle) | Erzherzog Carl von Österreich, nach 1847
Georg Decker (nach Anton Einsle) | Erzherzog Carl von Österreich, nach 1847

Der Neffe, Adoptivsohn und Universalerbe Herzog Alberts, Erzherzog Carl (1771-1847), und dessen Sohn Albrecht (1817-1895) verwalteten die Sammlung ab 1822.

Die ab 1895 getätigten Erwerbungen ihres Nachfolgers, Erzherzog Friedrich (1856-1936), gingen der Sammlung allerdings größtenteils verloren, da sie ihm ab 1920 im Zug der Übernahme der ALBERTINA in Staatsbesitz als Privateigentum überlassen werden mussten.

Die Grafische Sammlung Albertina nach 1918
Historische Ansicht der Albertina
Historische Ansicht der Albertina

Nach dem Ersten Weltkrieg und mit dem Ende der Monarchie wurde die Sammlung Herzog Alberts und seiner Erben im April 1919 Besitz der Republik Österreich. Im Dezember 1920 wurde sie per Regierungsbeschluss mit den bedeutenden Kupferstichbeständen der ehemals kaiserlichen Hofbibliothek zusammengelegt. Zwei historische Kollektionen allerersten Ranges bilden so den Kern der heutigen ALBERTINA.
Die Sammlungserweiterung war zwischen 1923 und 1934 unter Alfred Stix (1882-1957) besonders vielseitig. Vor allem durch den Zuwachs an französischen und deutschen Zeichnungen des bisher kaum vertretenen 19. Jahrhunderts konnten die Bestände komplettiert werden.
In der Zeitspanne von 1934 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde schwerpunktmäßig die österreichische und deutsche Grafik des 19. und 20. Jahrhunderts ausgebaut.

Die Entwicklung der Albertina nach dem Zweiten Weltkrieg
Claude Monet | Der Seerosenteich, 1917-1919 | © Albertina, Wien. Sammlung Batliner
Claude Monet | Der Seerosenteich, 1917-1919 | © Albertina, Wien. Sammlung Batliner

Die Sammlungserweiterung auf dem Gebiet der österreichischen Kunst blieb auch nach 1945 ein vorrangiges Anliegen der ALBERTINA -Direktoren: Otto Benesch (1896-1964) brachte neben ergänzenden Altmeisterzeichnungen großartige Bestände von Egon Schiele, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka und Alfred Kubin in die Sammlung ein.

Walter Koschatzky (1921-2003) verdichtete die Zugänge speziell bei den Zeichnungen und Aquarellen des 19. Jahrhunderts, wie kapitale Werke von Rudolf von Alt, Peter Fendi und Thomas Ender zeigen. Darüber hinaus waren Benesch wie Koschatzky bestrebt, die vielfältigen Tendenzen der Kunst nach 1945 in der ALBERTINA zu repräsentieren. Diesem Anspruch trug Konrad Oberhuber (1935-2007) mit verstärkten Ankäufen internationaler Arbeiten Rechnung.

Klaus Albrecht Schröder, seit 2000 Direktor der ALBERTINA, konzentriert seine Ankaufspolitik auf internationale Gegenwartskunst und zentrale Werke der österreichischen Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Mit den Dauerleihgaben der Sammlungen Batliner, Forberg und Rheingold erfolgte nun eine wesentliche Bereicherung der internationalen klassischen Moderne sowie der zeitgenössischen Kunst in der ALBERTINA.